Privatsphäre im Unterricht schützen

Speziell die von Lehrer*innen im (virtuellen) Klassenraum

Vor kurzem wurde ein Vorfall bekannt, bei dem ein Lehrer seine Schüler*innen mutmaßlich in einer Unterrichtseinheit per Videokonferenz beschimpft hatte, weil er wiederholt stummgeschaltet worden sei (kosmo.at, 2020).

Handelt es sich bei so einem Vorfall um einen Einzelfall oder ist das in Zeiten des Distance Learnings ein häufiges Problem? Muss man so eine Situation einfach hinnehmen?  

…Natürlich nicht. Distance Learning stellt Lehrer*innen vor große Herausforderungen. Die Lehre über diverse digitale Tools stellt Lehrende vor teils große Probleme. In dieser neuen Umgebung muss man sich erstmal zurechtfinden. Je älter die Schüler*innen, desto mehr muss man als Lehrpersonal erstmal seine Autorität neu behaupten.

Dieser Artikel beschäftigt sich nicht damit, ob solche Worte und Handlungsweisen pädagogisch wertvoll bzw. moralisch vertretbar sind.

Vielmehr sollen in diesem Beitrag lösungsorientierte Ansätze präsentiert werden, wie solche Situationen verhindert werden können.  Es geht hier um Vorbeugung und Aufklärung. Vorbeugung in technischer Hinsicht und Aufklärung aus rechtlicher Sicht.

Rechtliche Aspekte

Grundsätzlich gilt, Fotos oder Videos von jemanden dürfen nur veröffentlicht werden, wenn keine berechtigten Interessen dieser Person verletzt werden, andernfalls bedarf es der Zustimmung der abgebildeten Person. Die Verletzung der Privatsphäre wäre ein solches Interesse. Die Schule ist zwar ein öffentliches Gebäude, aber ob ein Klassenzimmer, in dem  sich nur bestimmte Personen aufhalten dürfen, als öffentlicher Raum definiert werden kann, ist schon wieder fraglich. Gleiches gilt für eine Videokonferenz im Rahmen des Unterrichts. Demnach könnte bei einer Bildveröffentlichung einer Person, im Rahmen des Unterrichts, grundsätzlich berechtigte Interessen verletzt werden. Eine einhellige Rechtsmeinung ist dazu aber nicht bekannt.

Wann eine strafbare Handlung vorliegt

Prekärer wird es, wenn Personen in peinlichen, komischen Situationen dargestellt werden. Wird ein Video von einer (Lehr-) Person in einer äußerst peinlichen Situation veröffentlicht, kann das sogar im Extremfall als „üble Nachrede“ (§ 111 Strafgesetzbuch) oder als „Beleidigung“ (§ 115 Strafgesetzbuch) gewertet werden. Dies ist ein strafrechtliches Privatdelikt. Solche Delikte können durch eine Privatklage verfolgt und geahndet werden, was allerdings ein aufwändiger Prozess ist. Sollte diese Veröffentlichung in sozialen Netzwerken stattgefunden haben, ist es oft erfolgsversprechender, wenn Sie den Post direkt beim Sozialen Netzwerk melden. (vgl. ombudsstelle.at, 2020)

Vorbeugung

Um von vorneherein zu verhindern, dass Bilder oder Videos von Personen im Unterricht veröffentlicht werden, gibt es einige Möglichkeiten. Keine dieser Möglichkeiten bietet absolute Sicherheit, man kann das Risiko aber vermindern.
Im Rahmen des analogen Unterrichts kann das durch die Hausordnung geregelt werden. Zum Beispiel, dass im Schulhaus ohne Genehmigung keine Fotos oder Videos gemacht werden dürfen. Oder es gibt eine Vereinbarung im Klassenverband dazu.  
Im digitalen Unterricht einer Videokonferenz gibt es einige technische Möglichkeiten, das zu verhindern, wie das Beispiel von ZOOM zeigt. Nicht zu verhindern wäre hingegen, wenn jemand mit einem extra Smartphone den Bildschirm abfilmt oder abfotografiert oder ein externes Tool zum Aufzeichnen dafür verwendet.

 

Einstellungen in Zoom

Aufzeichnung

  • Hosts und Teilnehmern erlauben, das Meeting auf einer lokalen Datei aufzuzeichnen. -> auf nicht erlauben stellen.
  • Hosts können Teilnehmern die Genehmigung zur lokalen Aufzeichnung erteilen -> nicht erteilen

Alle Teilnnehmer*innen auf stumm schalten, wenn sie dem Meeting beitreten

Automatisch alle Teilnehmer*innen stumm schalten, wenn sie dem Meeting beitreten. Der Host bestimmt, ob Teilnehmer*innen selbst die Stummschaltung aufheben können.

Mit dieser Option auf aktiv gestellt, haben Sie die vollkommene Kontrolle über die „Redeerlaubnis“ Ihrer Schüler*innen. Verwenden Sie das nur, wenn Sie denken, dass das wirklich notwendig ist. Im Normalfall sollten sich alle Schüler*innen auf stummschalten und die Stummschaltung nur dann aufheben, wenn sie sprechen möchten.

Chat

  • Meetingteilnehmer*innen erlauben, eine für alle Teilnehmer*innen sichtbare Nachricht zu senden.
  • Verhindern, dass Teilnehmer*innen den Chat speichern.
  • Privater Chat: Meetingteilnehmer*innen können eine private Nachricht an andere Teilnehmer*innen senden.

Für Chatbeschränkungen gilt, geben Sie Ihren Schüler*innen die Privilegien, die Sie Ihnen zutrauen. Jede Klasse ist anders. Der dritte Punkt hier birgt die Gefahr, dass die Schüler*innen massiv untereinander zu plaudern beginnen und sie nicht mehr bei Ihnen sind. Andererseits geben Sie Ihnen einen sozialen Raum zur Interaktion, der auch nützlich sein kann.

Bildschirmübertragung

  • Hosts und Teilnehmer*innen erlauben, ihren Bildschirm oder Inhalt während der Meetings freizugeben – Nur Host, außer Sie möchten, dass Ihre Schüler*innen etwas präsentieren.
  • Wer kann die Freigabe starten, wenn eine andere Person die Freigabe verwendet? – Nur Host

Erteilen Sie hier nur Freigabepriviligien, wenn dies der Unterricht erfordert.

Einstellungen in MS-Teams

Über die Rollen können Sie einstellen, wer welche Berechtigungen erhält (siehe support.microsoft.com, 2020)

Aufzeichnung

  • Starten oder beenden der Aufzeichnung – nur für Organisator und Moderator

Bildschirmübertragung

  • Inhalte freigeben – nur für Organisator und Moderator

Stummschaltung

  • Stummschalten anderer Teilnehmer*innen – nur für Organisator und Moderator

Viele der Einstellungen in ZOOM und MS-Teams sind vor der Besprechung zu tätigen. Auch wenn diese sehr umfangreich sind, sehen Sie sich diese durch und tätigen Sie die Einstellungen, mit denen Sie sich sicher fühlen.

Aufklärung

Es wäre wichtig, die Schüler*innen über die rechtlichen Aspekte solcher Unterrichtseinheiten aufzuklären. Also z.B. dass es strafbar ist, jemanden in bestimmten Situationen öffentlich darzustellen und dass dafür die Erlaubnis der betroffenen Person eingeholt werden muss.

Empathie schaffen

Andererseits sollten neben der rechtlichen Aufklärung auch das Rechts- und Unrechtsbewusstsein aller Teilnehmenden angesprochen werden. Dabei darf auch wert daraufgelegt werden, Empathie zu schaffen: Was bedeutet es für eine Person, wenn Bilder oder Aufnahmen aus einer private Situation nach außen getragen werden? Inwieweit kann man hier Vertrauen verletzen?

Regeln vereinbaren

Auch für die Schüler*innen ist dies eine neue Situation. Es ist wenig verwunderlich, dass dann und wann freche Versuche gestartet werden, die Situation an sich zu reißen. Vereinbaren Sie Regeln, die auch in diesem digitalen Raum gelten. Einer der wichtigsten wäre wohl, dass keine Mitschnitte gemacht werden dürfen und keine Abbildungen.

Medienbildungsworkshop

Saferinternet.at und Teamkiste bieten Workshops zu diesem Thema an:

  • Rechtliche Grundlagen
  • Aufklärung
  • Vorbeugung
  • Praktische Tipps

Online oder an Ihrer Schule.

Workshop anfragen

 

 

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