
Eine gut funktionierende Klassengemeinschaft entsteht nicht von selbst. Sie entwickelt sich durch gemeinsame Erfahrungen, geteilte Aufgaben und das bewusste Wahrnehmen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Im folgenden Beitrag werden unterschiedliche Spiele und Methoden vorgestellt, die genau hier ansetzen. Sie machen das gemeinsame WIR erfahrbar, fördern Wahrnehmung über verschiedene Sinneskanäle und stärken das Vertrauen innerhalb der Gruppe. Dabei stehen nicht einzelne Leistungen im Vordergrund, sondern das gemeinsame Handeln und aufeinander Achten.
Den Einstieg bildet die Methode „Wir sind stark“, bei der Gemeinsamkeiten und Vielfalt innerhalb der Klasse sichtbar gemacht werden. Darauf aufbauend folgen mit „Telefax“ und „Paket weggeschickt – Paket angekommen“ zwei Spiele, die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und nonverbale Kommunikation auf spielerische Weise vertiefen und sich gut für Spiele zwischendurch im Unterricht eignen.

Es ist nicht immer einfach, eine Klasse als Gemeinschaft zu formen. Diese Methode hilft dabei, sichtbar zu machen, dass das gemeinsame WIR stärker ist als die Stärke einzelner Individuen. Durch gemeinsames Forschen und Vergleichen wird sichtbar, wie viele Gemeinsamkeiten eine Klasse verbinden und welche Vielfalt in ihr steckt.
Zu Beginn werden Ideen und Fragestellungen gesammelt: Was interessiert uns an unserer Klasse? Welche Gemeinsamkeiten gibt es? Wie groß, wie vielfältig oder wie bunt sind wir eigentlich zusammen? Diese Fragen werden zunächst im Sitzkreis erarbeitet. Anschließend bilden sich Forscherteams, die jeweils eine Fragestellung übernehmen und diese mit einfachen wissenschaftlichen Mitteln untersuchen.
Jedes Forscherteam erhält die notwendigen Materialien wie Notizzettel, Stifte und je nach Fragestellung zusätzliche Hilfsmittel. Bei der Frage „Wie groß sind wir alle zusammen?“ arbeitet das Team beispielsweise mit Maßband oder Maßstab, misst die Körpergröße aller Kinder und zählt die Ergebnisse zusammen.

Nach Abschluss der Forschungsarbeit hält jedes Team seine Ergebnisse auf einem A5-Zettel fest. Um Zahlen greifbar zu machen, werden Vergleiche herangezogen, zum Beispiel: „Unsere Klasse ist 30 Meter groß, so groß wie fünf Giraffen“ oder „Unsere Klasse wiegt 600 Kilogramm, das entspricht dem Gewicht eines Konzertflügels“. Ergebnisse wie „In unserer Klasse werden zehn verschiedene Sprachen gesprochen“ lassen sich hingegen gut in einem Säulendiagramm darstellen.
Zum Schluss werden alle Zettel auf ein großes gemeinsames Plakat geklebt, das in der Klasse aufgehängt wird. Durch die bildliche Darstellung der Ergebnisse werden Zusammenhänge leichter verständlich. Ziel der Methode ist es, Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen, Unterschiede wertzuschätzen und die Stärken der gesamten Klasse bewusst wahrzunehmen. Das Plakat erinnert im Schulalltag immer wieder daran, wie vielfältig die Klasse ist und was sie gemeinsam ausmacht.

Die Methode Telefax ist eine einfache, aber wirkungsvolle Kommunikationsübung. Ziel des Spiels ist es, Informationen ohne Sprache weiterzugeben, ausschließlich über Berührung. Dabei erleben die Schüler*innen, wie aufmerksam sie Berührungen wahrnehmen müssen, um Symbole korrekt weiterzugeben. Benötigt werden lediglich ein paar Blätter Papier und ein Stift pro Gruppe.
Zu Beginn werden aus der Klasse zwei bis drei Gruppen gebildet. Die Kinder sitzen pro Gruppe hintereinander am Boden, jeweils mit Blick auf den Rücken des vorderen Kindes. Für jede Gruppe bereitet die Lehrkraft einfache Zeichnungen vor, zum Beispiel eine Sonne, eine Blume oder einen Stern.
Die hinterste Person betrachtet die Zeichnung der Lehrkraft kurz und „zeichnet“ sie anschließend mit dem Finger auf den Rücken vor sich. Die nächste Person spürt die Zeichnung auf ihrem eigenen Rücken und versucht diese so genau wie möglich weiterzugeben, indem sie diese auf den Rücken vor sich malt. Auf diese Weise wandert die Zeichnung von Rücken zu Rücken weiter, ähnlich wie bei „Stille Post“, jedoch ohne Worte und ausschließlich über Berührung. Die vorderste Person zeichnet das Wahrgenommene zum Schluss mit Stift und Papier auf. Anschließend werden die Originalzeichnung und die entstandene Zeichnung miteinander verglichen. Danach beginnt die nächste Runde mit einem neuen, meist etwas schwierigeren Motiv, etwa ein Haus, ein Baum oder eine Kaffeetasse. Insgesamt haben sich etwa fünf Runden bewährt.
Das Spiel Telefax eignet sich gut zur Förderung von Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und nonverbaler Kommunikation. Die Schüler*innen nehmen Berührungen bewusst wahr und geben diese möglichst genau weiter. Dadurch werden die taktile Wahrnehmung sowie die Konzentrationsfähigkeit geschult und es wird erfahrbar, wie unterschiedlich Informationen interpretiert werden können, wenn Sprache als Hilfsmittel wegfällt.
Darüber hinaus fördert das Spiel Vertrauen innerhalb der Gruppe, da die Klasse aufeinander angewiesen ist und sorgfältig zusammenarbeiten muss. In einer kurzen Nachbesprechung können Erfahrungen ausgetauscht und Schwierigkeiten beim Weitergeben des Signals angesprochen werden. Telefax macht soziale Interaktion, Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit auf einfache und spielerische Weise erfahrbar und sorgt dabei meist für viele Lacher und gute Stimmung in der Gruppe.

Die Klasse stellt sich im Kreis auf und nimmt sich an den Händen. Die Lehrkraft stellt sich ebenfalls in den Kreis. Um das Spiel zu starten, drückt sie leicht die Hand der Nachbarperson und sagt: „Paket weggeschickt.“
Das Signal wird nun reihum mittels Händedruck weitergegeben: Jede Person drückt die Hand der nächsten Nachbarperson erst dann, wenn die eigene andere Hand gedrückt wurde. So wandert das „Paket“ einmal rundherum im Kreis, bis es wieder bei der Lehrkraft angekommen ist. Diese beendet die Runde mit den Worten: „Paket angekommen.“
Nun kommt der besondere Reiz des Spiels: Eine Person wird ausgewählt und stellt sich in die Mitte des Kreises. Anschließend wird ein Ziel bestimmt, ein Kind, zu dem das Paket geschickt werden soll. Sind alle bereit, schickt die Lehrkraft das Paket erneut los, indem sie die Hand der Nachbarperson drückt und wieder „Paket weggeschickt“ sagt. Das Paket wandert nun wie zuvor durch den Kreis. Sobald es bei der Zielperson ankommt, ruft dieses laut: „Paket angekommen.“
Die Aufgabe der Person in der Mitte besteht darin, noch bevor das Paket ankommt, herauszufinden, wo sich das Signal gerade befindet. Sie darf einmal raten und auf ein Kind zeigen, bei dem sie vermutet, dass sich das Paket gerade dort befindet. Tippt sie richtig, hat sie gewonnen.
Das Spiel eignet sich gut als kurze Aktivierung zwischendurch. Es fordert Aufmerksamkeit, gemeinsames Timing und Zusammenarbeit, da das Signal nur dann zügig weitergegeben werden kann, wenn alle aufmerksam mitmachen. So wird das Miteinander in der Gruppe auf einfache und spielerische Weise gestärkt.

Viele dieser und weiterer Methoden kommen bei unseren Teamtagen zum Einsatz. Dabei steht die Klasse als Team im Mittelpunkt: Die Gemeinschaft wird gestärkt und gemeinsame Herausforderungen werden bewältigt. Die eingesetzten Übungen knüpfen an genau jene Aspekte an, die auch im schulischen Alltag für ein gutes Miteinander wichtig sind.
